Partycrasher: Kellerkinder besiegen Tabellenführer

Die Sporthalle der Grundschule Steinbüchel West ist am Samstagabend prall gefüllt. Die Zuschauer sind bereits vor Anpfiff in freudiger Erwartung einer Meisterfeier. Zu Recht, denn der Vorsprung des Tabellenersten aus Leverkusen auf den DTV beträgt vor der Partie vier Siege. Nach dem 91:84 im Hinspiel gehört den Hausherren außerdem der direkte Vergleich. Die Meisterschaft wäre ihnen im Fall eines Sieges, vier Spieltage vor Saisonende, nicht mehr zu nehmen.

Während Fast Break-Trainer Pimperl personell aus dem Vollen schöpfen kann, muss der DTV wieder einmal auf mehrere wichtige Spieler verzichten. Center Tommy Warnecke fehlte den Kellerkindern bereits in Uerdingen und muss auch in Leverkusen passen, hinzu kommt der schmerzliche Ausfall von Kapitän Micha Demberg und auch Flügel-Veteran Jan Sulkowski fehlt der Mannschaft in Leverkusen. So rückt Florian Schulz erstmals in dieser Saison in die Starting Five, nachdem er erst in der vergangenen Woche sein erstes Spiel nach viermonatiger Verletzungspause absolviert hatte. Zudem rotiert Flügel Tom Janicot zurück in den 11-Mann-Kader von Mario Kyriasoglou, der nach überstandener Erkältung an die Seitenlinie zurückkehrt.

Die Gastgeber gewinnen den Sprungball und scoren die ersten Punkte der Partie. Doch Florian Schulz beweist bereits im zweiten Angriff seine Range und antwortet mit einem verwandelten Dreipunktwurf zur ersten Führung für die Gäste (2:3). Der Leverkusener Sven Hartmann antwortet mit einem eigenen Distanztreffer (5:3), doch Florian Schulz hat wie so oft das letzte Wort und bringt den DTV mit einem weiteren Dreier erneut in Führung (5:6). DTV-Topscorer Philipp Pfeifer legt vier weitere Punkte drauf (8:10), doch die Hausherren bleiben dran und gleichen aus (10:10). Nach vier Spielminuten haben die Zuschauer bereits zwei Unentschieden und drei Führungswechsel gesehen, ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen zeichnet sich ab.

Doch in der Folge gelingt den Kellerkindern der erste Lauf. Ganze fünf Minuten lang halten sie die beste Offensive der Liga scorelos. Parallel erzielen Schulz, Boch, Pfeifer und Türkan zwölf Punkte und reißen erstmals eine kleine Lücke (10:22). Erst in der letzten Minute des ersten Spielabschnitts löst sich der Tabellenprimus aus der Schockstarre und verkürzt durch den eingewechselten Lukas Klein auf 14:22.

Im zweiten Viertel macht der FBL gleich zu Beginn weiter Boden gut (19:22), kommt zunächst allerdings nicht über die Drei-Punkte-Schwelle hinweg. Es entwickelt sich ein hartes, aber zu keinem Zeitpunkt unfaires Spiel. Ein offener Schlagabtausch, in der keine der beiden Mannschaften einen Scoring-Run aufs Parkett legen kann. Doch die Körperlichkeit im Spiel führt im zweiten Spielabschnitt zu zahlreichen Freiwürfen auf beiden Seiten. Keine Mannschaft möchte dem Gegner einfache Punkte zugestehen. Nach 19 Spielminuten kommt Fast Break nochmal auf zwei Punkte an die Kellerkinder heran (35:37), bevor Tom Janicot das Polster mit zwei verwandelten Freiwürfen erneut auf vier Punkte vergrößert. So geht der DTV nach starkem Beginn und einem soliden zweiten Viertel mit einer knappen 39:35-Führung in die Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel tut sich der DTV zunächst schwer. Die ersten Angriffe sitzen nicht und die Hausherren gehen erstmals seit der zweiten Spielminute wieder in Führung (43:42). Doch die Mannschaft von Coach K und Co-Trainer Osebold gerät nicht in Panik, sondern justiert nach, ordnet sich in der Verteidigung und holt zum nächsten Lauf aus. Zunächst Philipp Pfeifer mit zwei Dreipunktspielen und zwei verwandelten Freiwürfen. Den 7:0-Lauf zum zwischenzeitlichen 45:52 für den DTV komplettiert Lukas Wandel mit zwei Treffern von der Freiwurflinie. Doch damit nicht genug: Wandel trifft nicht nur von der Foullinie, sondern auch aus der Distanz und schenkt dem überrumpelten FBL innerhalb von 180 Sekunden gleich drei Dreier ein. Aufbau Ali Türkan komplettiert den zweiten Lauf des Viertels (11:3) mit einem weiteren Dreier. Die Domstädter gewinnen das Viertel mit 29:19 und nehmen einen starken 14-Punkte-Vorsprung (54:68) mit ins letzte Viertel.

Der Leverkusener Rass, der an diesem Abend ohne Field Goal bleibt, verkürzt zu Beginn des Schlussviertels von der Freiwurflinie auf 57:68. Im Anschluss erhöht Ali Türkan mit seinem unnachahmlichen Zug zum Korb erneut auf 57:70. Der Leverkusener Fabian, der in der Transition nur wenig Raum zur Entfaltung bekommt, landet nun zwei Treffer für den FBL, doch Schulz und Boch haben am heutigen Tag immer eine Antwort parat und sorgen dafür, dass das DTV-Polster zunächst nicht weiter schmilzt.

Nachdem die FBL-Bigs Brückmann und Fröhlingsdorf nochmal auf sechs Punkte verkürzen, startet der DTV den wohl spielentscheidenden Lauf. Steffens und Schulz erhöhen den Vorsprung mit ihrem 9:0-Run drei Spielminuten vor Schluss erneut auf 15 Punkte (69:84). Die Hausherren antworten nochmal mit einem 6:0-Lauf (75:84), doch die Kellerkinder stehen defensiv gut und lassen keinen größeren Schaden entstehen. Pfeifer, Boch und Wandel verwandeln die nötigen Freiwürfe und sichern dem amtierenden Meister letztlich den Sieg. Mit dem letzten Freiwurftreffer kann Steffens den Vorsprung nochmal auf neun Punkte erhöhen und dem DTV darüber hinaus den direkten Vergleich sichern. Das Spiel endet mit 81:90.

Mario Kyriasoglou zeigt sich nach dem Spiel sehr zufrieden: „Das war eine tolle Teamleistung, obwohl wir wie fast in jedem Spiel erneut auf wichtige Spieler verzichten mussten. Wir haben früh die Führung übernommen und hatten auf alles, was Fast-Break versucht hat, die richtige Antwort. Auf die Leistung können wir stolz sein.“

Der Star im Spitzenspiel war auf Seiten der Gäste definitiv die Mannschaft. Gleich vier Spieler punkten zweistellig, zudem fügen sich alle Bankspieler nahtlos ins Spitzenspiel ein und sorgten mit einer konzentrierten Leistung für den nötigen Energieschub. Florian Schulz und Philipp Pfeifer führen mit jeweils 22 Punkten die DTV-Offensive an. Unterstützt von einem überragenden Lukas Wandel (vier Dreier) und einem routinierten Gero Boch (je 15 Punkte), die zur richtigen Zeit immer die richtige Antwort fanden.

Defensiv steht der DTV an diesem Abend vor allem auf den Guard-Positionen extrem gut und lässt den starken Back-Court der Leverkusener nicht zur Entfaltung kommen. Aber auch unter dem Korb machen die Kellerkinder einen guten Job. Die körperliche Unterlegenheit können sie über das ganze Spiel nahezu ausgleichen und hatten sogar Phasen, in denen sie im Rebound deutlich überlegen waren.

Die Mannschaft von Mario Kyriasoglou verkürzt mit diesem Sieg zwar den Rückstand auf die Tabellenspitze nochmal auf drei Siege, bei vier ausstehenden Partien bleibt eine erneute Meisterschaft jedoch sehr unwahrscheinlich. „Man kann nur erahnen, was möglich gewesen wäre, wenn wir nicht mehr als die halbe Saison auf Florian Schulz und Jan Sulkowski hätten verzichten müssen und Tommy Warnecke nicht außerdem noch aus verschiedenen Gründen einige Spiele verpasst hätte“, sagt der Trainer nach dem Spiel. Fast Break Leverkusen bleibt als die konstanteste Mannschaft der laufenden Saison verdienter Tabellenführer. Für den FBL ist es die erste Heimniederlage im Ligabetrieb seit Ende 2015.

Nach zwei Siegen in Folge steht den Kellerkindern eine kurze Trainingswoche bevor. Denn bereits am Freitagabend empfängt der Tabellenzweite den Tabellendritten SW Baskets Wuppertal zum nächsten Top-Spiel der zweiten Regionalliga West. Tip-Off ist um 20:30 Uhr in der Sporthalle des Gymnasiums Kreuzgasse. Wie immer freut sich die Mannschaft über zahlreiche Unterstützung. (TS)

1,2,3…Kellerkinder!

Viertelergebnisse:
1. Viertel 14:22, 2. Viertel 21:17, 3. Viertel 19:29, 4. Viertel 27:22 – Endstand 81:90

Für die Kellerkinder am Ball:
Pfeifer (22 Pkt.), Schulz (22 Pkt.), Wandel (15 Pkt.), Boch (15 Pkt.), Türkan (9 Pkt.), Steffens (5 Pkt.), Janicot (2 Pkt.), Ossey, Verlemann, Fisch, Rimac.

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