Überraschungserfolg in Herford

Mit einem 50:78-Sieg im Gepäck traten die Kellerkinder am vergangenen Samstag die Rückreise aus Herford in die Domstadt an. Gegen eines der bestbesetzten Teams der Liga präsentierten sich die Deutzer mal wieder als geschlossenes Kollektiv und konnten damit einen, zumal in dieser Höhe, Überraschungserfolg landen.

Dabei deutete der Start in die Partie zunächst nicht auf diesen Ausgang hin. Die ersten Punkte gingen nach wenigen Sekunden direkt auf das Konto der Herforder. Zwar konterten die Kellerkinder ihrerseits in Person von Chris Fröhlingsdorf am Brett, doch der Rhythmus der Partie wurde zunächst von den Herfordern diktiert. Wie schon in den Aufeinandertreffen der vergangenen Saison hatten die Deutzer zunächst Schwierigkeiten gegen die individuelle Treffsicherheit. Auch die nahezu jeden Angriff wechselnden Verteidigungsformen sorgten in der Anfangsphase für etwas Unordnung. Resultat waren erste Führungen der Gastgeber (12:8 bzw. 15:10).

Doch der abgezockte Backcourt aus Joe Koschade und Patrick Reusch behielt die Ruhe und dirigierte ab Mitte des ersten Viertels hervorragend das Geschehen. So war es Joe Koschade mit sieben Punkten in Folge, der erst für den Ausgleich (15:15) sorgte, ehe Patrick Reusch seinen Verteidiger nach schönem Fake ins Leere springen ließ und die erste Führung zum 15:17 nach sechs Minuten erzielte. Wenig später erhöhte Lukas Wandel per Reverse-Layup zum 17:21. In dieser Szene holte sich der gerade eingewechselte Anton Geretzki, der den Assist aus dem Pick & Roll gespielt hatte, einen Pferdekuss, musste prompt wieder ausgewechselt werden und konnte den Rest des Spiels nicht mehr eingreifen. Mit einem Dreier zum Ende des Viertels eroberte Herford die Führung zurück (22:21).

Ben Uzoma produzierte die ersten Zähler des zweiten Viertels, als er sich nach starkem Offensivrebound und trotz Fouls nicht beim Abschluss beirren ließ (22:23). Angetrieben von Joe Koschade, der erst selbst vollstreckte und anschließend Julian Litera an der Dreierlinie fand, setzten sich die Deutzer erstmals etwas ab (22:28). Herford antwortete und übernahm kurzzeitig die Führung (32:31). Doch die Kellerkinder ließen sich keineswegs beirren: Fynn Schmitz zeigte seine Qualitäten mit einem sicher eingenetzten Dreier aus der Ecke zum 32:34. Die Schlussphase bis zur Halbzeit gehörte Patrick Reusch, der zwei Midrange Jumper verwandelte sowie Philipp Pfeifer nach cleverem Cut bediente (34:42).

Mit etwas mehr Energie kamen die Herforder aus der Kabine und verkürzten den Abstand zunächst (41:45). Doch die Wurfqualität blieb höher auf Deutzer Seite. Patrick Reusch per Dreipunktspiel, Chris Fröhlingsdorf mit robustem Postmove und Joe Koschade mit erneutem Dreipunktspiel waren für die erste zweistellige Führung der Kellerkinder zuständig (41:53). Als Patrick Reusch nach einer starken Teamdefense sogar auf 41:55 erhöhte, musste Herfords Trainer David Bunts die Auszeit nehmen. 

Doch auch diese hatte keinen großen Effekt auf das Deutzer Teamspiel, das nun ins Laufen kam. So fand Philipp Pfeifer Flo Schulz vollkommen offen an der Dreierlinie, der sein weiches Handgelenk bewies. Letzterer revanchierte sich wiederum, indem er gleich zwei Mal hintereinander Ben Uzoma mustergültig bediente. Als Lukas Wandel dann auch noch nach listigem Steal einen Layup vollstreckte, betrug die Führung erstmals 20 Punkte (46:66). Den Schlussstrich zog erneut Flo Schulz unter dieses Viertel, als er seinen dritten Dreier versenkte und auf 48:71 erhöhte.

Im letzten Viertel flaute das Spielniveau ab. Defensiv bestachen die Kellerkinder weiter durch ihren Einsatz: Ben Uzoma verbarrikadierte mit mehreren Blocks die Zone, Timo Steffens und Yannick Ossey zeigte ihre starke Eins-gegen-Eins-Verteidigung und Reboundarbeit. Offensiv rundete Joe Koschade seine exzellente Leistung mit vier Punkten und Lobanspiel auf Ben Uzoma ab. Ansonsten war dieser Spielabschnitt von nachlassender Konzentration beim letzten Pass oder dem Abschluss geprägt. Ohne Foulpfiffe und bedingt durch viele Wechsel plätscherte das Geschehen vor sich hin, bis die Sirene beim Endstand von 50:78 ertönte. Immerhin: die DTV-Fünf ließ im letzten Viertel keinen Feldkorb zu.

Doch auch dieses wenig glorreiche Schlussviertel konnte den Blick auf das Spiel nicht trüben. Mit einer sehr soliden, in Teilen dominanten, Teamleistung sicherten sich die Kellerkinder den zweiten Sieg im zweiten Spiel gegen einen der Meisterschaftsfavoriten der Liga. So schön sich diese Momentaufnahme lesen mag, so deutlich ist allen Beteiligten jedoch auch bewusst, dass weiterhin großes Verbesserungspotential besteht. 

Gerade in Hinblick auf den kommenden Doppelspieltag ist weiterhin konzentrierte Detailarbeit notwendig, wie auch Trainer Nils Müller feststellt:

„Mit dem Sieg war vor allem in der Höhe so nicht zu rechnen, da ich Herford individuell nach wie vor als sehr stark einschätze. Wir müssen den Sieg wiederum als Teil eines Prozesses sehen und richtig einordnen. Davon wird abhängen, wie erfolgreich wir beide Spiele am Wochenende abschließen werden.“

Endergebnis 50:78 (22:21; 12:21; 14:29; 2:7)

Die Kellerkinder:
Patrick Reusch (15), Anton Geretzki, Joe Koschade (12), Lukas Wandel (4), Yannick Ossey, Julian Litera (3), Flo Schulz (16), Philipp Pfeifer (6), Chris Fröhlingsdorf (7), Ben Uzoma (10), Fynn Schmitz (3), Timo Steffens.

Wie bereits beschrieben steht am kommenden Wochenende der erste Doppelspieltag der Saison an. Los geht es am Freitagabend mit einem Heimspiel gegen die zweite Mannschaft der Bayer Giants Leverkusen, die ihr Auftaktspiel gewann. Sprungball ist um 20:30 Uhr im Reitweg. Direkt am Sonntag muss die Mannschaft den zweiten langen Auswärtstrip der Saison zum nächsten Meisterschaftsanwärter aus Ibbenbüren antreten.

1,2,3…Kellerkinder!

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