Derby: Niederlage in letzter Sekunde

Nachdem bereits das Hinspiel für viel Spannung und Spektakel gesorgt hatte, lieferten sich die zwei Kölner Teams in der Regionalliga West auch am vergangenen Samstag ein heißes Duell auf Augenhöhe. Erst in den Schlusssekunden konnten die RheinStars ihren knappen Vorsprung über die Ziellinie retten (67:65).

Die ersten Minuten der Partie waren auf beiden Seiten von viel Nervosität geprägt. Zwar sorgte Anton Geretzki mit einem Dreier für den ersten Jubel auf der Deutzer Bank und im Fanblock, doch anschließend wollte nicht mehr viel gelingen. Offene Korbleger rollten wieder heraus und vermeidbare Ballverluste sorgten dafür, dass die RheinStars Mitte des ersten Viertels erstmals einen Rhythmus entwickeln konnten und Coach Nils Müller zur ersten Auszeit zwangen (10:6). Doch auch im Anschluss blieben die Offensivaktionen mit Ausnahme eines spektakulären Fastbreak Layups von Julian Litera (12:10) ungewohnt verhalten. Die RheinStars zeigten sich hier etwas kaltschnäuziger und führten entsprechend verdient nach dem ersten Viertel (17:10).

Auch das zweite Viertel hielt für die Zuschauer in der fast ausverkauften ASV-Halle viel Stückwerk auf Lager. Immerhin nahm die Konsequenz bei den Abschlüssen zu. Florian Schulz demonstrierte sein Geschick im Lowpost mit einem eleganten Dreipunktespiel und wenige Augenblicke später versenkte Scharfschütze Paul Hörschler direkt seinen ersten Distanzwurf. Doch es blieben insgesamt Einzelaktionen, die für offensive Erfolgserlebnisse sorgten (34:27).

Flügel-Veteran Florian Schulz erzielt 9 Punkte in 16 Minuten auf dem Feld.

Nach dem Seitenwechsel zeigten sich die Kellerkinder dann mit ihrem wahren Gesicht. Entschlossenheit und Selbstbewusstsein in der Offensive kombiniert mit der gewohnt fanatischen Teamverteidigung sorgten dafür, dass sich mit jeder Spielminute die Atmosphäre in der Halle änderte. Anton Geretzki lieferte mit einem spektakulären Dreipunktespiel die Initialzündung, auf die Florian Schulz einen Dreier folgen ließ. Mit jeder gelungenen Aktion pushten sich Spieler und Fans gegenseitig. Spätestens als sich RheinStars Coach „JJ“ Strasser beim Stand von 46:43 zu einer Auszeit gezwungen sah und sich die Kellerkinder unter tosendem Applaus des Anhangs an der eigenen Bank versammelten, schien das Momentum endgültig zugunsten der Gäste übergeschwappt zu sein. Als im nachfolgenden Angriff Florian Schulz per Alley-Oop vollstreckte und Patrick Reusch kurz vor Viertelende noch den Ausgleich erzielte, war das Spiel wieder vollkommen offen (48:48).

Ungestört von der Viertelpause behielten die Gäste die Kontrolle. Patrick Reusch übernahm nun komplett das Zepter und scorte neun der ersten 12 Deutzer Punkte des letzten Abschnitts. Immer wieder stellte er sich seinen Gegenspieler zurecht und zeigte sein gefährliches Pull-up-Game. Hinzu kam weiter eine starke Verteidigung, in der Ben Uzoma als Ringbeschützer gleich mehrfach Würfe veränderte oder direkt mit Nachdruck ins Aus blockte. Bis auf 50:55 zogen die Deutzer zwischenzeitlich davon, ehe RheinStars Topscorer Tibor Taras mit einem Vierpunktespiel für einen erneuten Führungswechsel zuständig war.

Fehlerfrei von der Freiwurflinie: Anton Geretzki erzielt insgesamt 13 Punkte.

Die letzten Minuten waren an Spannung endgültig nicht mehr zu überbieten. Zunächst verwandelte Chris Kunel zwei Minuten vor dem Ende zwei wichtige Freiwürfe zur 60:62-Führung. Die RheinStars konterten mit fünf Zählern in Folge. Darauf antworteten die Deutzer wiederum knapp 40 Sekunden vor Schluss in Person von Lennart Boner (65:64) – Auszeit RheinStars. Deutz zeigte – wie so oft in der zweiten Halbzeit – vorbildliche Defense und forcierte einen Fehlwurf – Auszeit Deutz. Im folgenden Angriff bot sich den Kellerkindern gleich zwei Mal per offenem Dreier die Chance, erneut die Führung zu übernehmen. Beide Würfe verfehlten das Ziel haarscharf und der zweite Rebound landete bei den Gastgebern. 

Knapp 14 Sekunden vor dem Ende mussten die Kellerkinder taktisch foulen, um nochmal in Ballbesitz zu gelangen. Tibor Taras zeigte sich treffsicher (67:64). Nun war es an den RheinStars taktisch zu foulen, um den Deutzer Dreier zum Ausgleich zu verhindern. Bei drei verbleibenden Sekunden verwandelte Joe Koschade den ersten Freiwurf nervenstark und setzte den zweiten Versuch absichtlich auf den Ring. Im anschließenden Getümmel um den Rebound konnte nur noch der Jumpball Pfiff forciert werden und ein letzter Abschluss kam nicht mehr zustande.

Aufbauspieler Joe Koschade ordnet die Deutzer Offensive in der Schlussphase.

Zwar war in den Deutzer Minen direkt nach dem Spiel die Enttäuschung über die knappe Niederlage deutlich abzulesen, doch bereits mit ein wenig Abstand sickerte die wesentliche Erkenntnis des Abends durch: auch beim Tabellenführer sind die Kellerkinder dazu in der Lage, sich eine realistische Siegchance zu erarbeiten. 

Coach Nils Müller zieht folgendes Fazit: „Die knappe Niederlage tut natürlich erstmal weh, aber wir haben wieder gezeigt, welchen Fortschritt wir in der Saison bereits gemacht haben. Es haben Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage entschieden. Das wird der nächste Schritt sein, welchen die Mannschaft nehmen wird, um auch solche engen Spiele zu gewinnen.“

Auszeit: Headcoach Nils Müller mit taktischen Anweisungen an seine Spieler.

Endergebnis:
67:65 (17:10; 17:17; 14:21; 19:17)

Punkteverteilung:
Paul Hörschler (3/1 Dreier), Patrick Reusch (20/1, 7 Rebounds), Anton Geretzki (13/1, 8 Rebounds), Joe Koschade (1), Lukas Wandel, Julian Litera (5/1), Flo Schulz (9/1), Philipp Pfeifer (2, 6 Rebounds), Chris Kunel (4, 6 Rebounds), Ben Uzoma (2), Lenny Boner (6, 13 Rebounds), Timo Steffens

Nach diesem emotionalen Spiel steht am kommenden Samstag (07.12.) direkt das nächste bedeutsame Match auf dem Spielplan. Gegen die BG Dorsten mussten sich die Kellerkinder im Hinspiel deutlich geschlagen geben (80:67). Mittlerweile sind beide Teams punktgleich und gehören einem Quartett an, das sich um den letzten Playoffplatz rangelt. Für die Kellerkinder sind das gleich zwei gute Gründe, um wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren. Tip-Off zum letzten Heimspiel des Kalenderjahres ist wie gewohnt um 18:30 Uhr im Deutzer Reitweg. Die Mannschaft hofft auf einen ähnlich sensationellen Support wie gegen die RheinStars.

Gänsehaut: Der ausverkaufte Deutzer Fanblock sorgt zeitweise für Heimspiel-Atmosphäre.

Fotos: Viola Sophie

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